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Der 2. Tag – Samstag

Ich genieße es, dieses eigene kleine Zimmer mit Dusche und WC. Ich muss mich nur um mich kümmern, kann in Ruhe duschen, mich fertig machen, muss nur ein paar Sachen wegräumen und habe ein immer aufgeräumtes Zimmer. Das Frühstück macht Spaß – der Tisch ist gedeckt, alles steht bereit – es ist wirklich wie ein kleiner Urlaub – ich genieße dieses Gefühl der Gelassenheit...

Wir starten gegen 9 Uhr mit einer kurzen Bewegungsübung und erfahren danach einiges zum Hintergrund der Farben und ihrer Wirkung. Entgegen der sonst üblichen Farbtypen Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt es bei dieser Farbberatung noch Zwischenstufen, sodass man nun insgesamt 9 Farbtypen unterscheidet. An einer Frau schauen wir uns alle an, wie die unterschiedlichen Farbtypen auf sie wirken und welche Farben letztendlich am besten zu ihr passen. Farben verändern tatsächlich deine Hautfarbe, können dich blass und krank aussehen lassen, oder frisch und aktiv wirken. Ich hätte nie gedacht, dass dies wirklich so deutlich zu sehen ist. Ich habe zwar schon öfters von Farbberatungen gehört, und dennoch erstaunt es mich, dass Farben tatsächlich diese Wirkung haben.

Die Damen teilen sich in zwei Gruppen – eine Gruppe wird zuerst die Farbberatung für jede einzelne machen, die andere beschäftigst sich mit der Thematik Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Ich bin froh, auch hier wieder mit Ellen in einer Gruppe zu sein – ich habe das Gefühl, dass wir dabei auch füreinander sehr viel lernen können und es unsere Freundschaft noch unterstützt. Ich freue mich, dass wir uns für diese Wochenende entschieden haben und bin dankbar, eine solche Freundin in meiner Nähe zu haben.

In unserer Gruppe probieren wir die unterschiedlichsten Klamotten an, holen uns die Meinung der anderen ein, beraten jede, versuchen zu verbessern, ziehen uns mehrfach um und vertrödeln uns mit der Zeit. Aber für mich bekomme ich neue Anregungen. Meine breiten Hüften, die ich vorzugsweise mit langen Oberteilen verhängt habe, wirken viel besser, wenn ich meine Taille betone und kurze Oberteile trage. Einige meiner Klamotten sitzen auch nicht mehr richtig und ich bin eigentlich froh darüber, nicht so viele Kleidungsstücke zu besitzen, denn nun kann ich ganz gezielt nach neuen Sachen suchen, am besten vielfach zu kombinieren, und ich nehme mir vor, jetzt bewusster einkaufen zu gehen, lieber weniger Teile zu kaufen, dafür aber auf Qualität und guten Schnitt zu achten. Waagemenschen sagt man ja nach, dass sie die anspruchsvoll und ästhetisch sind, auch was die Kleidung betrifft. Ich habe allerdings immer nur darauf geachtet, wie viel etwas kostet und immer nach billigen Alternativen gesucht. Mein Vater ist heute noch so – wohl auch, weil er immer aufs Geld schauen musste, so wie ich ja auch. Aber wenn ich Sicherheit brauche, muss ich mich in meinem Auftreten in den richtigen Kleidungsstücken befinden, muss durch Farben und Formen meine Ausstrahlung finden und mich so präsentieren. Ich will mich nicht verkleiden – ich will durch Kleidung meine Persönlichkeit unterstreichen, sie „zeigen“. Das wird mir klar in diesen Stunden.

Die Farbberatung in unserer Gruppe startet mit mir, und ich freue mich, dass ich nun endlich wissen werde, welche Farbskala am besten zu mir passt. Von den 9 Karten habe ich mir die Mitte ausgesucht, doch als diese Farben dann als Tücher auf meinen Schultern liegen, bin ich unsicher. Es ist schwer, herauszufinden, welches meine Farbkarte ist – auch die anderen haben da ihre Schwierigkeiten. Erst, als wir ein paar Mal die Tücher wechseln, kommen meine Farben zu Vorschein – ich bin kein reiner Sommertyp, wie ich vermutet hatte, sondern habe eine Tendenz zu den helleren Farben, in denen auch Teile der Frühlingsfarben vertreten sind. Ich bin froh, dass ich kein reiner Sommertyp bin, denn meine Farbskala gefällt mir viel besser, und einige Farben davon trage ich auch schon seit längerem – eigentlich, seitdem ich mich wieder für hellere Haare entschieden habe. Ich bin nun mal blond und blauäugig – und ich habe die ganzen Jahre versucht, dies zu leugnen. Habe meine Haare immer dunkler gefärbt und dadurch versucht, diesem Blondchenimage zu entfliehen. Nun kann ich endlich meine blonden Haare lieben – auch wenn ich mit Farbe etwas nachhelfe, weil ich noch nicht bereit für die grauen Strähnen bin. Und meine Augen leuchten tatsächlich, wenn ich die richtigen Farben trage. Ich freue mich, dass auch die anderen das sehen und liebe mich wieder ein Stückchen mehr....

Am Abend merke ich, wie anstrengend der Tag war, denn es ist richtige Arbeit, die anderen genau zu betrachten, zu beraten, zu kommentieren. Aber es wird trotzdem spät, als wieder einige Frauen noch eine Weile zusammensitzen und den Abend ausklingen lassen. Wieder bin ich erstaunt, wie offen jede von sich erzählt, wie viel jede preisgibt aus ihrem Leben, wie viel persönliches dabei gesagt wird.
Ich bin wirklich dankbar für dieses Wochenende, auch wenn ich diese Frauen wohl kaum wiedersehen werde. Aber es ist einfach immer wieder eine schöne Erfahrung, die ich mitnehme und die mich mein eigenes Leben in neuem Licht sehen lässt.
12.9.07 22:25
 


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